Mein besonderes Augenmerk fiel auf den Einsatz von Ehrenamtlichen, die in den von mir untersuchten Dresdner Kunstvereinen die Mehrzahl an Personal ausmachten. Zusammen mit den Angestellten des Kunstvereins sowie Honorarkräften und Praktikanten bildeten sie die personelle Ressource, die schließlich für die Umsetzung marktwirtschaftlicher Instrumente verantwortlich ist.
Die kulturpolitische Diskussion seit den 1980er Jahren generierte die Auffassung, dass ökonomische Gesichtspunkte auch im Kulturbereich berücksichtigt werden müssen. Diese Meinung verstärkte sich durch die Veränderungen der Subventionspolitik der Gemeinden und Städte. Ein Motiv für den Einsatz von marktwirtschaftlichen Instrumenten ist das Überleben der kulturellen Nonprofit-Organisation durch die Steigerung an Effizienz. Die deutschsprachige Nonprofit-Organisationen-Forschung bestätigte mit Untersuchungen im Dritten Sektor, die zentralen Thesen der U.S. amerikanischen Organisationsforschung. Sie belegt jedoch die Heterogenität des deutschen Nonprofit-Sektors und eine vorhandene Ost-West-Dichotomie. Auffallend ist die Anzahl an Studien zum Thema Ehrenamtliches Engagement und Spenden in Deutschland. Hierbei werden Trends aufgegriffen, wie die derzeitige Stärkung von freiwilligem Engagement und Spendenbereitschaft, auch im Kulturbereich. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Bürgerstiftungen und die Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinnützigkeit, die für eine Verbesserung der juristischen und gesellschaftlichen Ausgangslage eintreten.
Unabhängig davon, ob eine Kulturorganisation von einem kommunalen Träger oder privatwirtschaftlich betrieben wird, muss eine – den allgemeinen Anforderungen des haushälterischen Umgangs mit den verfügbaren Ressourcen – entsprechende Steuerung gewährleistet werden. Wie in einem Wirtschaftsunternehmen gilt hier die Transparenz der organisatorischen, personellen und finanziellen Vorgänge als oberste Prämisse, gleich welcher Aufgabenstellung. Es geht um das Aufspüren von Austauschprozessen im Spannungsfeld zwischen Bedürfnissen und Realisierungsmöglichkeiten. Auch nichterwerbswirtschaftliche Kultureinrichtungen erfüllen ihre gesellschaftliche Aufgabe nur, wenn inhaltliche Programme und nachgefragte Interessen aufeinander treffen.
Ehrenamtliches Engagement hat einen besonderen Stellenwert in kulturellen Einrichtungen. Oft stellen gerade freiwillig Tätige die Mehrheit des Personals in kulturellen Nonprofit-Organisationen. Das macht besondere Strategien zur Verteilung von Arbeitsaufgaben und der andauernden Motivation notwendig. U.S. amerikanische Studien bestätigen, dass geeignetes Personal einen Großteil zum Erfolg einer Nonprofit-Organisation beiträgt. Es fallen zahlreiche Aufgaben in den einzelnen Arbeitsbereichen an und eine genaue Kenntnis aller Managementinstrumente ist unabdingbar für deren erfolgreichen Einsatz. Offen bleibt die Frage wie viel Personal nötig ist, um durch den effizienten Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente im Kulturbereich mehr Legitimität und Anerkennung für kulturelle Angebote zu erlangen.
In der schlechten wirtschaftlichen Situation zielt die Bedürfnisbefriedigung bei geringem, freiverfügbaren Einkommen eher auf erlebnisorientierte Angebote ab und nicht auf das Künstlerisch-Elitäre. Die Preispolitik vieler Kultureinrichtungen (Theater, Opernhäuser, Klassische Festivals) kommt dem nicht gerade entgegen. Kultur avanciert zum Luxus. Der ideelle Gewinn für den einzelnen Besucher rechtfertigt dabei nicht den Eintrittspreis. Die Kultureinrichtungen sind also immer mehr gefordert ihrem potenziellen Kunden ein umfassendes Programm zu bieten, das es lohnenswert erscheinen lässt, Zeit und Geld „der Kultur“ zur Verfügung zu stellen. Viel bewußter müssen alle Mitarbeiter der Kulturorganisation sich mit den Fragen auseinandersetzen: Wer sind wir? Was wollen wir? Wie vermitteln wir unser Programm dem Publikum und unseren Kooperationspartnern? Bei all diesen Überlegungen taucht erneut die Frage auf: Welches Personal steht uns zur Verfügung, um unsere Ziele umzusetzen?